01. Dezember 2024 · wettkampf

BTB-Ligafinale in Heidelberg

Das Ligafinale in Heidelberg war ein sportlicher und organisatorischer Höhepunkt für die SGK.

Kirchheim rettet sich im Herzschlag-Finale

Die Oberliga-Turner der SG machen in letzter Sekunde den Klassenerhalt perfekt

Von Claus Weber

Heidelberg. Als die Entscheidung nahte, nahmen sich die Turner der SG Kirchheim in die Arme, bildeten vor dem Barren eine Linie und hielten gebannt die Luft an. Denn auf die letzte Übung des Abends kam es an. Auf Sidney Wiltgen. Der luxemburgische Turner, der schon lange in Heidelberg lebt, hatte Trainer Patrick Claas eigentlich für den Barren abgesagt. Die Schulter! Doch weil die Heidelberger ohnehin elf Ausfälle zu beklagen hatten, sprang der 30-Jährige noch mal ein - und machte das Unmögliche wahr.

Durch seine souveräne Übung überholten die Kirchheimer, die als Schlusslicht ins Finale gegangen waren, in letzter Sekunde die TG Hanauerland und machten den Klassenverbleib perfekt. „Wahnsinn“, strahlte Patrick Claas, nachdem er seine Schützlinge umarmt hatte, „eigentlich sind wir fast ohne Chancen in diesen letzten Wettkampf gegangen.“ Der Trainer der Oberliga-Männer, der zugleich Abteilungsleiter der Kirchheimer Turner ist, war erleichtert und stolz: „Alle sind über sich hinausgewachsen, wir sind halt einfach eine Finalmannschaft.“

Den Ausschlag für die unverhoffte Aufholjagd hatte die Leistung am ungeliebten Pauschenpferd gegeben. „In der ganzen Vorrunde hatten wir nur drei Übungen, bei denen niemand abgestiegen ist“, zählte Claas auf, „heute haben alle vier Athleten durchgeturnt.“

Hätte das Finale der badischen Turnligen - insgesamt gingen 36 Teams von der Bezirks- bis zur Oberliga an die Geräte - nicht in Heidelberg stattgefunden, wäre ein solcher Kraftakt wohl gar nicht möglich gewesen, mutmaßte Claas. „Wir haben in den letzten Tagen viel Spannung aufgebaut, sind durch die große Aufgabe, das Finale auszurichten, noch mehr zusammengewachsen“, meinte der Abteilungs-Chef, „und die Fans haben ihr Übriges getan.“ Rund 1000 Zuschauer kamen über den Tag verteilt in die Halle, es ging zu wie in einem Taubenschlag. Die Entscheidungen an den sechs Geräten fielen im Minutentakt.

„Wir hatten so viele Ausfälle und dann auch noch zwei, drei Debütanten in der Mannschaft ...“, staunte auch Teamkapitän Robin Adler über das Happy End um kurz vor 22 Uhr. „Die Entscheidung fiel am Barren, so gut waren wir an diesem Gerät noch nie“, sagte der Projektmanager. Mit 28 Jahren gehört Adler schon zu den erfahrenen Kräften. Oldie der Truppe ist Stefan Engel. Mit seinen 39 Lenzen ist er dreimal so alt wie Team-Küken Hanzhang Liu.

Die Kirchheimer Turner waren vorige Saison als Vizemeister der Verbandsliga aufgerückt. Vor einigen Jahren gehörten sie auch mal der 3. Bundesliga an, zogen sich aber freiwillig zurück, weil sie lieber auf eigene Talente als auf Athleten aus dem Ausland setzen wollten.

Doch viele Ausfälle und eine unglückliche Niederlage in der Vorrunde sorgten für die prekäre Tabellenlage vor dem Finale. Die Rettung in letzter Sekunde dürfen sich nicht nur die zehn Helden des Oberliga-Teams ans Revers heften, sondern die ganze Turn-Abteilung. 80 Ehrenamtliche packten am Wochenende mit an. Ganz vorne dabei: Die Familie Claas. SGK-Urgestein Harald (78), der nächstes Jahr sein 60. (!) Jubiläum als Trainer feiern darf, am Essensstand, sein Sohn Patrick, der die Abteilung zusammen mit Kadri Berisha führt, die Mannschaft taktisch klug aufstellte und am Ende mit Sidney Wiltgen den richtigen Joker am Barren zog, und seine Frau Elisabeth, die seit 2022 als Nachfolgerin von Dieter Hofer das Turnzentrum leitet. „Wir werden sicher noch bis spät in die Nacht abbauen“, sagte sie schmunzelnd, „morgen früh muss die Halle picobello sein, da kommen schon die nächsten Sportler.“ Die Kirchheimer haben die Herkules-Aufgabe gerne bewältigt. Der Aufwand hat sich gelohnt.

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